ROBIN GIBB. MAGNET
Januar 2003
Robin Gibbs 5.
Soloalbum in 33, und sein erstes nach 18 Jahren ist insofern
ungewöhnlich für eine Gibb-Produktion, als dass er sich ein Team
engagierte, das für nahezu alle Songs und die komplette Produktion
verantwortlich zeichnete. Da konnte man natürlich Angst bekommen, ob
das auch zusammen passt, wenn so ganz ohne Barry und Maurice...
Man muss aber ganz klar sagen, dass Robin Gibbs letzten Songs für die Bee Gees eher traurige Angelegenheiten waren, vor allem was deren Produktion anging. Und somit war es nur konsequent die Zügel dieses Albums anderen zu überlassen. Und ein großes Glück dazu, denn die Songs auf 'Magnet' scheinen ihm durchweg auf den Leib geschneidert zu sein. Die Produktion ist solide, R'n'B-lastig und chartstauglich aber mit der Gefahr, im Niemandsland zu versinken, denn die Charts sind natürlich stets voll von Musik dieser Art.
Interessant sind die beiden "alten" Songs, die Robin Gibb für dieses Album neu aufgenommen hat. 'Wish You Were Here' vom Bee Gees Album One kommt in einer locker fluffigen und sympathischen Art herüber, die dem Album insgesamt gerecht wird, während 'Another Lonely Night In New York' von seinem Album How Old Are You? klingt, als hätte man hier schon mal eine Sicherheitsnummer drauf gepackt, die als Single hätte veröffentlicht werden können, falls das Projekt zu floppen drohte.
Tiefpunkt des Albums: 'Love Hurts'. Abgesehen davon, dass dieser Titel durch die Band Nazareth bereits derart abgenudelt wurde, dass es an Körperverletzung grenzt, schafft Robin Gibb es nicht, sich diesen Song anzueignen und wenigstens etwas Nettes daraus zu machen. Schlimmer noch: er covert sozusagen die Nazareth Version , was den Everly Brothers natürlich überhaupt nicht gerecht wird. Grässlich!
Die Tatsache, dass Maurice Gibb zwei Wochen vor der Veröffentlichung dieses Album völlig unerwartet starb (was Robin Gibb mitten in seiner Promotionarbeit zur Single 'Please', die bereits im Dezember erschienen war, überraschte), gibt dem Album einen etwas bitteren Beigeschmack. Ganz der Profi sagte Robin Gibb zwar kaum Termine ab; trotzdem war ihm der Schock praktisch immer anzusehen und somit ist es vielleicht auch verständlich, dass dieses Album etwas unter diesem Schock litt und nicht ganz die Erwartungen erfüllte.
Alles in allem ein schönes Album, wenn man die CD nach Titel 9 beendet. Fans, die die typische Robin-Balladen vermissen, bekommen dafür aber ein Album, das zeigte, dass Robin Gibb auch 2003 noch immer faszinieren konnte.







