BEE GEES Discografie

O.S.T. SATURDAY NIGHT FEVER

November 1977

Wenn man bedenkt, dass die Brüder Gibb nichts über den Inhalt des Films wussten, als sie die Songs für dessen Soundtrack schrieben, ist es noch erstaunlicher, welch unglaublichen Erfolg diese knapp 20 Minuten Musik mit sich brachten. Denn diese fünf Songs kennt jeder und das Album brach alle Verkaufsrekorde. Der meistverkaufte Soundtrack war es bis "Titanic" Ende der 90er Jahre den Rekord brach, und das bestverkaufte Doppelalbum ist es auch heute noch. Und als meistverkauftes Album ganz allgemein wurde es erst von Michael Jacksons 'Thriller' 1982 abgelöst.

Jedenfalls hat dieses Album viele Dinge im Musikgeschäft für immer verändert: Für die Bee Gees war es ein ungeahnter Erfolg, für Robert Stigwood war es der Beginn (oder Teil) seines Größenwahns und - absurderweise - der Beginn des Niedergangs seines Labels RSO. Die Musikindustrie bemerkte, welche Möglichkeiten auf sie warten, wenn man verschiedene Medien wie Film und Musik gemeinsam vermarktet. Für den jungen John Travolta war der Film der Durchbruch als Filmschauspieler und den Fachleuten bescherte er das große Rätsel, wie ein solch billig produzierter Film zu solch einer Geldmaschine werden konnte.

Musikalisch ist das aber aus heutiger Sicht purer Trash und eigentlich kaum mehr hörbar. Der Hype war damals derart groß, dass manch einem die damit verbundene Musik bis heute ein Graus ist. Man kann daran gut sehen, dass man damals nicht nur von dem Erfolg überrascht war sondern den Bee Gees auch nicht zutraute, diesen Erfolg zu wiederholen oder zumindest auf einem ähnlich hohen Niveau zu halten. So wurde herausgeholt, was immer ging und die Industrie und auch das Managment der Bee Gees begannen zu verheizen, was ihnen Dollars bescherte. Stigwood verstand es den Hype alleine auf die Bee Gees zu konzentrieren, sie geschickt in TV Sendungen zu platzieren, sie praktisch auf eine 12-monatige Promotiontour zu schicken, bis jeder glaubte, die Gebrüder Gibb seinen die Erfinder der Discomusik.
Dadurch entstand ein Goldrausch, der die Erfolgslatte für die Zukunft sehr hoch hängte. Doch jedem Hype folgt der freie Fall, der viele der Beteiligten zwar mit einem blauen Auge davon kommen ließ; die öffentlichen Verbrennungen von Bee Gees-Schallplatten zwei Jahre später zeigen jedoch eindrucksvoll, wer die Opfer dieser Dollarmaschine waren. Die Bee Gees hatten das Stigma weg und ist es bis heute nicht mehr los. (John Travolta erging es im Übrigen ganz ähnlich.)

Die fünf neuen Bee Gees-Titel auf diesem Soundtrack sind durchweg klasse. Allesamt Hits - aus gutem Grund. 'More Than A Woman' war ursprünglich als Single geplant wurde aber schon früh an Tavares abgegeben, die den Titel selbst als Single veröffentlichten. 'If I Can't Have You' bekam Yvonne Elliman, die damals ebenfalls von Robert Stigwood betreut wurde und schon zuvor Bee Gees Songs in ihrem Repertoire hatte. Die Bee Gees Version dieses Titels erschien in der Demoversion erstmals 1978 als B-Seite von 'Stayin' Alive' und findet sich auch auf dem Doppelalbum Greatest wieder.

Auch zum Soundtrack des Sequels dieses Films 'Staying Alive' (1983; ebenfalls mit John Travolta) steuerten die Bee Gees Songs bei.


 
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